15.09.2012

Hexenschuss


Feuerholz für meine Mutter

Meine Mutter wohnt in einem kleinen Chalet. Dieses ist ein bisschen abgelegen aber modern und sehr schön. Umweltbewusst wie meine Mutter ist, heizt sie das Chalet mit Holz. Da sie vor kurzem ihren Arm operieren lassen musste, hat sie mich gefragt ob ich ihr helfen könnte neulich gekauftes Holz für den Winter bei ihr aufzustapeln. So machte ich mich auf den Weg mit meiner Tante, meiner Schwester und meiner Tochter, um die Arbeit zu erledigen. Als einziger Mann übernahm ich selbstverständlich die Leitung der Operation. So teilte ich mir die Aufgabe zu, die mir als schwerste erschien. Ein bisschen beunruhigt von der Quantität des Holzes (6 m3) machte ich Druck damit die ganze Sache so schnell und effizient wie möglich vor sich ging. Im selbst geschaffenen Stress, nach nicht einmal einem Fünftel der Arbeit sah ich plötzlich Sterne.

Die Sterne sieht man wirklich

Ich glaubte stehts dass dies ein metaphorischer Ausdruck sei. Dem ist nicht so, ich sah wirklich hunderte kleine Sterne und konnte nur noch auf den Boden liegen. Mit der Nase im Holzstaub spürte ich nun einen unglaublichen Schmerz im Rücken. Mit grosser Mühe schafte ich es mich aufzurichten. Nun wusste ich auch was ein Hexenschuss war!
Dies geschah gestern Nachmittag. Der Schmerz war gross aber ich konnte mich noch relativ bewegen. Ein guter Tip wenn Ihnen dies auch einmal widerfährt: schlafen Sie danach nicht in einem weichen Bett!

Horror um Mitternacht

Um Mitternacht wollte ich mich drehen und plötzlich musste ich schreien vor Schmerz. Meine Frau ist aufgewacht und zog mir an der Hand um mir zu helfen. Als Dankeschön wurde Sie kreischend angebrüllt. Ich konnte mich nicht mehr drehen und fand keine Position wo es nicht schmerzte. So sah ich meine eigene Rettung im Aufstehen. Ich glaube ich hatte noch nie so grosse Schmerzen in meinem leben. Wieder waren hunderte Sterne um mich versammelt und plötzlich lag ich am Boden. Oh wie tat der kühle harte Boden gut. Ich entschied kurzerhand den Rest der Nacht dort zu verbringen. Mit ein paar Decken eilte mir meine Frau zur Hilfe und richtete mir ein Nachtlager auf dem Teppich ein. Gut habe ich sicher nicht geschlafen aber so ein paar Stunden Erholung gab es schon.

Aufstehen: die Stunde der Wahrheit

Als meine Familie ins Wohnzimmer kam wo ich am schlafen war und frühstücken wollte, kam die nächste Aufgabe: Aufstehen. So 10 Minuten und ein paar Schmerz-Schreie später stand ich in gekrümmter Position über einem Stuhl. Ich war jedoch senkrecht! Sofort entschieden wir einen Doktor aufzusuchen. Super dass es immer einen Notarzt auf Piquet gibt sogar an einem Samstag. Er gab mir ein Rendez-vous eine Stunde später. Zuerst war ich sehr froh doch dann wurde mir plötzlich Bewusst, dass ich mich vielleicht noch umziehen sollte. Die Details dazu erspare ich euch. Es musste recht lustig ausgesehen haben. Für mich war es alles andere als lustig und für die Socken musste ich meine Frau anstellen.
Erstaunlicherweise klappte es mit dem Autofahren recht gut. Ich fand den Doktor sofort dank meinem Handy und alles schien gut zu gehen bis ich aus dem Auto steigen wollte. Ich kam gut raus nur mein Handy wählte die schnell variante getrieben von der Anziehungskraft der Erde. Kaputt ging es nicht aber das Auflesen war eine andere Geschichte. Ich drückte meinen Rücken gegen den Wagen und ging Zentimeter um Zentimeter nach unten bis ich das Handy ergreifen konnte. Danach Zentimeter um Zentimeter zurück nach oben. Wieder sah ich ein paar Sterne.

Es gibt auch positives

Der Arzt verschrieb mir ein Medikament um die Muskulatur zu lockern, ein anderes um die Schmerzen zu lindern und noch ein drittes um Entzündungen zu hemmen.
Ein Hexenschuss schmerzt grauenhaft er zwingt einem jedoch auch überhaupt nichts zu machen. Ich glaube dass hatte ich bitter nötig. Alle Probleme auf der Arbeit oder im Haushalt scheinen kaum mehr relevant und man ist nur noch dankbar dass man eine liebe Frau hat die zu einem schaut und sich um die Kinder kümmert. Heute Abend machten wir einen sehr langsamen Spaziergang mit der ganzen Familie und es war richtig schön sich die Zeit zu nehmen und es trotz den schmerzen zu geniessen!

Kommentare:

  1. Lieber Mario, dein Blog gefällt mir schon ganz gut!

    Wenn du immer noch nach Tipps für dein Layout suchst, schau doch mal hier vorbei. Ich poste auf meinem Blog Tipps für Bloganfänger.

    http://kleine-blogger-hilfe.blogspot.de/

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  2. Hallo Mario,

    was macht denn dein Hexenschuss? Du hast sehr lustig geschrieben. Die Schmerzen kann ich gut nachvollziehen. Hoffe es geht dir besser.

    Liebe Grüße

    Carola

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  3. Hallo Mario,

    ich bin Ärzin für Anästhesie und arbeite egarde in einer neurologischen Klinik. Ein Hexenschuss ist eine fiese Angelegenheit.
    Wichtig ist, es genau so zu versuchen wie ihr Arzt es getan hat: Mit einer konservativen Behandlung.
    Diese solte aus einer Muskelentspannenden Behandlung bestehen. Wir verwenden dazu Metocarbamol, welches wir über mehrerer Tage intravenös verabreichen. Dazu soviel Schmerzmittel wie nötig ist.
    Anschließend sollte man eine Reha, also ein Kur in Anspruch nehmen damit man die Rückenmuskulatur um das betreffende Gebiet kräftigt und sie in die Lage versetzt all die Arbeit zu erledigen die vorher eben die Bandscheibe getan hat. Sollten Sie in der Nähe einer größeren Stadt wohnen, schauen Sie doch mal anch dem "Kisa"-Training. Auch Fitness-Studios bieten oft Rückenschul-Kurse an die häufig auch von der Krankenkasse bezahlt werden. Falsch ist totale Schonung.
    Ach ja. Solange sie noch selber Laufen können, nicht in die Hose machen oder irgendwas wichtiges nicht mehr bewegen können, würde ich an meinen Rücken keinen Operateur mit einem Messer lassen! Die postoperativen Folgen von Rückenoperationen sind oft schlimmer als der Bandscheibenvorfall selbst!

    Alles Gute
    Sarah

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