19.06.2012

Die Schule von morgen

Bis zum 19. Jahrhundert blieb die Schule das Privileg von ein paar Auserkorenen. Erst ab Mitte des 19. Jahrhundert entwickelte sich das Schulsystem. Meistens erfolgen solche Veränderungen nicht willkürlich und das ist auch hier der Fall. Bis am Ende des 18. Jahrhunderts waren die meisten Personen Bauern oder Soldaten. Mit der industriellen Revolution gab es plötzlich neue Jobs, neue Organisationen und neue Anforderungen an die Arbeiter. Zum Bau des Eisenbahnnetzes, das sich über tausende Kilometer erstreckte, war es schlicht nicht mehr möglich alle Befehle direkt den Mitarbeitern mündlich zu übergeben. Es entstanden schriftliche Befehle und Kommunikationssysteme um diese zu übermitteln (Telegrafen). Damit dieses neuartige System funktionieren konnte bedingte es, dass die Mitarbeiter diese schriftlichen Befehle lesen konnten. Es entstand so ein wirtschaftliches Bedürfnis die Arbeiter auszubilden.
Bildquelle: www.sf.tv


Die Schule wurde so aufgebaut wie die Organisation der neuen industriellen Betrieben, nämlich hierarchisch und autoritär. Die Lerninhalte wurde von der Wirtschaft und der Politik definiert und über die Lehrer den Schülern vermittelt. Das Ziel der Schule war es nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern auch die Kinder zu disziplinierten Arbeitern zu erziehen, die ohne viel Fragen zu stellen ihre Arbeit verrichteten. Obwohl die Schule seit diesen Zeiten viele Änderungen und Anpassungen durchmachte, bleibt das Grundprinzip des Schulsystems bis heute noch gleich. Dies ist nicht unproblematisch.


Die Schule ist zu wenig anpassungsfähig
In einer Welt die sich immer schneller wandelt, kann das aktuelle Schulsystem schlicht nicht mithalten. Die Lerninhalte passen sich wegen der hierarchischen Organisation nur sehr träge an. Auch arbeitet die Schule noch immer mit Schulbücher die vielleicht alle 10 Jahre erneuert werden. So lernen Kinder das in der Schweiz 6.5 Millionen Leute leben obwohl man auf Wikiepdia nachlesen kann, dass es bereits 7.8 Millionen sind. Die Wissenschaft besteht aus Paradigmen, oder tragende Meinungen, die sich ständig abwechseln. Die Wahrheit von heute in einem wissenschaftlichen Bereich entspricht nicht der Wahrheit von morgen. Da die Lerninhalte vorgegeben sind, kann die Schule nicht mit Paradigmenwechsel umgehen und mehrere Meinungen akzeptieren.


Die Schule erfüllt nicht mehr die Bedürfnisse der Wirtschaft
Bei den meisten Jobs werden folgende Eigenschaften erwünscht: Dynamik, Kreativität, Teamfähigkeit, unternehmerisches Denken, kommunikative Fähigkeiten oder Flexibilität. Das Schulsystem fördert die wenigsten dieser Eigenschaften.

Die Schule erfüllt die Bedürfnisse der Kinder nur bedingt
Kinder kommunizieren Tag täglich über die verschiedensten Kanäle. Sie erhalten Neuigkeiten im Sekundentakt und sind verbunden mit Personen die quer über dem Globus verteilt sind. Sie verstehen die neuen Technologien weit besser als ihre Eltern und Lehrer. In der Schule lernen sie jedoch meistens noch was und wie ihre Eltern lernten. Kommunikation unter den Schülern ist eher unerwünscht. Die Schüler sehen den Sinn oft nicht mehr Daten und Fakten zu lernen die sie in Sekunden auf dem Internet finden könnten. Zudem fällt es ihnen schwer ein einziges vordefiniertes Berufsschema auszuwählen, wo es doch so viele Möglichkeiten gäbe.

Aus diesen Gründen ist es eine Notwendigkeit das Schulsystem neu zu erfinden.

Die Schule von Morgen
Sie wird die Kreativität fördern indem sie weder die Lerninhalte noch die Methoden vorschreibt. Sie wird kommunikativ indem die Schüler selber die Materie erforschen und mit den Anderen teilen. Sie wird dynamisch indem Sie sich von Kursbücher verabschiedet und sich auf die laufende Entwicklung des Wissens der Internetgemeinschaft stützt. Sie wird frei von Ideologien indem mehrere Meinungen existieren dürfen. Sie wird sich vom Konkurrenzdruck abwenden um einen neuen Weg vorzuzeigen, wo ein Miteinander bessere Resultate erzielt als ein "jeder gegen jeden".

Bildquelle: 1.bp.blogspot.com


Um dies zu erreichen braucht es ein fundamentales Umdenken was die Schule und deren Organisation betrifft. In meinen Augen wird die Schule den Megatrends unserer Entwicklung folgen müssen. Sie wird sich  demokratisieren  müssen, indem sie das Monopol der Lerninhalte aufgeben werden muss. Sie wird sich horizontal ausrichten müssen, indem sich die Rolle der Lehrperson verändert; gleich wie sich die Rolle der Schüler von passiven zu aktiven Akteuren verändern wird.

Kreativität ist der Ursprung unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Desto mehr Vorgaben existieren, desto mehr wird die Kreativität eingeschränkt. Im aktuellen Schulsystem wird so viel vorgegeben, dass die Kreativität jedes einzelnen sich kaum entwickeln kann. Kreativität ist wiederum gefragt um das Schulsystem zu erneuern. Vielleicht sollten unsere Kinder selbst ihre Schule neu erfinden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen